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Auf dem Boot und im Wasser

Badeferien und Bootsurlaub zwischen Lübz und Rheinsberg

Ein leichter Wind bringt einem frische Luft, weiße Wölkchen ziehen über den strahlend blauen Himmel und die Sonne lässt die Bäume in sattem grün erstrahlen. Für meine Frau und mich ist es das erste Mal, dass es uns in den Nordosten Deutschlands zum Urlaub in der Mecklenburgischen Seenplatte verschlagen hat. Mit von der Partie sind auch unsere beiden Kinder. Der 12jährige Thorsten und die 16jährige Sabrina, die gleich noch ihren derzeitigen Freund mit eingeladen hat. Die Aussichten auf grenzenloses Badevergnügen haben die Drei schon lange in Vorfreude schwelgen lassen.
Voll beladen sind wir so am frühen Morgen gen Norden aufgebrochen. Der Weg zur Stadtmarina von Lübz ist etwas verwinkelt; man biegt, dem Hinweisschild folgend, rechts von der Hauptstraße ab, um dann einmal die alte Kirche zu umrunden und schließlich die schmale Einfahrt zum Hafengelände zu passieren. Doch sobald wir dieses idyllische Fleckchen Erde betreten haben, beginnt der Urlaub. Der Basisleiter Herr Reiher begrüßt uns freundlich: "Herzlich willkommen in Lübz. Na dann kommen Sie mal gleich mit, ich zeige Ihnen Ihr Schiff." Stolz liegt die Nicols 1350 im Wasser, getauft auf den Namen "Waren". An Bord gibt es jede Menge an Stauraum, sodass unser Gepäck leicht verstaut ist. So ausgestattet mit Luftmatratzen, Apfelschorle und Sonnencreme sind wir startklar. Schiff ahoi - Seenland wir kommen!

Der erste Tag Unser Törn beginnt mit einer ausführlichen Einweisung in die Bordtechnik mit anschließender Probefahrt. Schon bald laufen wir aus. Wir verlassen das Hafenbecken, setzen Kurs Steuerbord und sind schnell vor der Schleuse Lübz. Die Schleusentore öffnen gerade. Nachdem der Gegenverkehr passiert hat, postieren sich die Familienmitglieder zur Sicherheit an den vier Ecken des Schiffs und ich steuere das Schleusenbecken an. Doch in langsamer Fahrt und mit Bugstrahlruder ist das alles kein Problem. An der Schleusenwand fendern wir uns steuerbords ab und sichern das Schiff mit Seilen. Der Kanal schlängelt sich gemütlich durch Wald und Wiesen, gesäumt von Bäumen, die immer wieder angenehmen Schatten spenden. Die Kinder haben es sich auf dem Oberdeck gemütlich gemacht. Mit Liegetüchern und Kissen ausgestattet, hat sich Sabrina in Ihr Buch vertieft, und Thorsten hat seinen Gameboy dabei, während meine Frau und ich die vorbeigleitende Landschaft beobachten und tief die nach Erholung duftende frische Luft einatmen. Sabrinas Freund hat sich gleich das Ruder unter den Nagel gerissen - es ist wirklich kinderleicht, das Schiff zu navigieren.
Nach einer knappen Stunde haben wir die Schleuse Bobzin erreicht. Diese stellt zwar mit einem Hub von rund sieben Metern einen neuen Höhenrekord auf, doch für uns, als inzwischen eingespielte Crew, kein Problem. Kaum drei Stunden später haben wir die Schleuse Barkow passiert und nähern uns Plau am See. Die weiße Holzbrücke, welche die Schleuseneinfahrt überspannt, leuchtet uns schon entgegen. Dahinter eröffnet sich das pittoreske Panorama des Luftkurortes Plau am See, hier wollen wir unsere erste Nacht an Bord verbringen. Im Hafenbecken zwischen Schleuse und Hubbrücke liegt das Hausboot sicher vertäut, als meine Frau und ich zum Abendspaziergang aufbrechen. Die Kinder bleiben lieber an Bord und spielen ein mitgebrachtes Gesellschaftsspiel, bevor wir alle uns in unsere geräumigen Kajüten zurückziehen.
Unseren Törn haben wir so geplant, dass er Bootfahren und Baden kombiniert. Das heißt, wir sind die ersten beiden Tage viel mit dem Schiff unterwegs, freuen uns dann auf drei Badetage in den Rheinsberger Gewässern, um schließlich die Rückfahrt anzutreten. So soll für alle etwas dabei sein und jeder für sich den Urlaub genießen können.

Der zweite Tag   
Am Morgen des zweiten Tages stehen wir recht früh auf, denn wie gesagt, ein ganzes Stück Weg liegt vor uns. Sabrina, die eh immer früh wach ist, hat schon duftende Brötchen besorgt und Thorsten macht Kaffee. So finden wir uns auf dem Achterdeck um neun Uhr zusammen zum gemeinsamen Frühstück.
Der Kurs liegt Richtung Osten an. Wir überqueren diesen ersten See der Großseenplatte auf dem schnellsten Wege. So gelangen wir nach Malchow mit seiner historischen Drehbrücke (Infos zu Malchow in Seenland 2002). Wir müssen einen Moment warten, denn der Wasserweg wird nur zu jeder vollen Stunde freigegeben. Diese Gelegenheit nutzt Sabrina, um sich auch einmal als Rudergänger auszuprobieren. Gemächlich zieht sie ihre Kreise auf dem Malchower See. Schließlich wird die Brücke zur Seite gedreht, jetzt setzen wir unseren Kurs über Fleesensee und Kölpinsee Richtung Osten fort. Nach runden fünf Stunden Fahrt erreichen wir die Müritz. Wie gut, dass ich einst meinen Sportbootführerschein absolviert habe. Zwar gibt es hier in der Mecklenburgischen Seenplatte seit einigen Jahren die erfolgreich praktizierte Regelung des Charterscheins, zur Fahrt auf der Müritz berechtigt dieser jedoch nicht (Charterscheininfos Seite 12). Wichtig beim Überqueren dieses größten Binnensees Deutschlands ist es, auf Betonnung und Untiefen zu achten. Gute zwei Stunden später haben wir das Meer bezwungen, das uns seinen letzten Gruß durch die kleine Müritz sendet. Hier wechselt die Fahrwassermarkierung ihre Richtung. Haben wir bis jetzt die grünen Tonnen an Steuerbord vorbeiziehen lassen, wechseln diese jetzt auf die Backbordseite.   
Derart farblich umgepolt laufen wir in die Müritz-Havel-Wasserstraße ein. Die Schleuse von Mirow ist bald erreicht, und somit naht unser heutiger Rastplatz für die Nacht. Kurz hinter der Schleusenausfahrt legen wir Ruder hart Backbord und gelangen so nach Mirow (Infos zu Mirow Seite 8). Der Anleger des Mirower Seehotels scheint uns sehr verlockend; wir machen hier gegen 19 Uhr fest. Zudem hatte mir ein Freund von einem deftigen mittelalterlichen Mahl im Ritterkeller berichtet, ein echter Geheimtipp.

Der dritte Tag   
Unser Fahrtpensum ist nun zum größten Teil schon geschafft. Also gehen wir den nächsten Morgen ruhiger an. Der für heute vorgesehene Schlag sollte nicht länger als drei bis vier Stunden dauern. Mittag ist schon vorbei, als wir die Maschine starten. Einen kurzen Stopp legen wir noch beim Fischer direkt links vor der Brücke am Südufer des Mirower Sees ein. Heute Abend soll es nämlich frischen Fisch geben.
Wir haben die Großseen hinter uns gelassen und nähern uns jetzt der Kleinseenplatte. Die Ufer rücken näher, und die Kanäle werden gewundener. Bald liegt die Schleuse Diemitz vor uns, doch hier ist Stau! Da heißt es abwarten und die Sonne genießen. Sabrina, die für solche Situationen schon geprobt hat, ergreift die Initiative und zieht wieder ihre Warteschleifen auf dem Großen Peetschsee. Nach etwa 45 Minuten liegt die Schleuse hinter und der Labussee vor uns. Die Canower Schleuse überwinden wir ohne längere Wartezeiten und gelangen so auf den Kleinen Pälitzsee. Am Ostufer suchen wir uns einen schönen Flecken. Thorsten steht am Bug und hält Ausschau. Als er "Halt!" ruft, stoppe ich auf und wir werfen den Anker. Ab jetzt sind Freizeit und Badespaß pur angesagt. Das Wasser ist angenehm erfrischend und wunderbar klar, und am Abend liegt ein verführerischer Duft von frisch gebratenem Fisch in der Luft. So ist Urlaub in der Mecklenburgischen Seenplatte.   

Der vierte Tag  
  Die Sonne blitzt durch das Bullauge und kitzelt uns wach. Nach dem Frühstück und nicht ohne zuvor noch ein erfrischendes Bad genommen zu haben, setzen wir unsere Fahrt gen Rheinsberg fort. Bei der Fahrt durch den Hüttenkanal begegnen wir direkt nach der Schleuse Wolfsbruch am linken Ufer dem Hafendorf Marina Wolfsbruch. Spontan wird entschieden, hier über Mittag Rast zu machen.    
Nach einem gelungenen Anlegemanöver suchen meine Frau und ich uns einen schönen Tisch auf der großzügigen Sonnenterrasse. Von hier hat mein einen wunderbaren Blick über die gesamte Anlage und kann so sehr gut das bunte Treiben im Hafen beobachten. Nach dem Mittagessen sind alle satt und zufrieden. Jetzt heißt es wieder: "Leinen los!" und wir verlassen, Kurs Backbord, das Hafenbecken.

Je weiter wir uns jetzt dem Örtchen Flecken Zechlin nähern, um so klarer wird das Wasser. Der Schwarze See ist nämlich ein tiefer Quellsee mit unterirdischen Zuflüssen, die die nachfolgenden Seen mit frischem Wasser speisen. Wir navigieren längsseits zum südlichen Ufer des Großen Zechliner Sees, die Ufer fallen hier recht steil ab, sodass wir dicht unter Land gehen müssen und werfen den Anker. Es ist erst früher Nachmittag, und das Wasser ist einfach zu verlockend. Der Rest des Tages wird mit Lesen, bei einem Gesellschaftsspiel oder planschend im Wasser verbracht - jeder, wie es ihm beliebt.
  Zum Abendessen versammelt sich die ganze Familie an Deck, während die Sonne in einem feurigen Rot versinkt und der Mond weißgelb leuchtend aus dem Schwarz der Wälder empor steigt.


Der fünfte Tag  
  Heute geht es nach Rheinsberg. Das direkt am Wasser errichtete Schloss bietet vom Grienericksee aus einen prächtigen Anblick. Nach einer Ehrenrunde vor dem Schlossgarten machen wir am Rheinsberger Anleger für eine kleine Besichtigungstour fest. Gegen Mittag sind alle wieder an Bord, denn heute ist unser fünfter Tag an Bord und so langsam müssen wir die Rückfahrt wieder antreten. Es geht also durch den Rheinsberger See, vorbei an Kleinzerlang und durch die Schleusen Wolfsbruch, Canow und Diemitz. Mirow lassen wir dieses Mal rechter Hand liegen, passieren die Schleuse und steuern die kleine Müritz an. Unser heutiges Ziel ist die Steganlage der Ferienanlage Yachthafen Rechlin, die wir in einem großen Bogen unter Beachtung der Betonnung - Steuerbord grün, Backbord rot - anlaufen.

Der sechste und siebte Tag  
  Nach dem Frühstück geht die Mannschaft, die wir inzwischen sind, auf Ihre Positionen und Thorsten ruft: "Leinen los! Schiff ahoi!" Jetzt gehen wir auf große Fahrt, denn mit einem Schlag wollen wir den Heimathafen Lübz heut' erreichen.
Die vier Stunden bis Malchow haben wir so geplant, dass die Brücke gerade geöffnet wird, als wir sie erreichen. Somit geht es gleich weiter nach Plau am See und von hier durch insgesamt vier Schleusen bis nach Lübz. Gut, dass in der Stadtmarina ein Liegeplatz für uns reserviert wurde, denn der Hafen ist schon bis zum letzten Platz gefüllt als wir einlaufen. Zum letzten Mal heißt es gute Nacht an Bord unserer Urlaubs-Yacht. Wir hatten eine wunderbare Woche im Seenland, voll Erholung und Spaß für jedermann. Und wenn man mich fragt, dann wird es auch im nächsten Jahr heißen: "Leinen los! Schiff ahoi!"

Seenland, Florian Diesing